Emil Schlagintweit
Emil Schlagintweit wurde am 7. Juli 1835 in München geboren. Nach dem Jura-Studium in Berlin arbeitete er im bayerischen Staatsdienst. Seine drei Brüder Adolph, Hermann und Robert unternahmen im Auftrag der East India Company zwischen 1854 und 1858 eine wissenschaftliche Expedition in die Himalaja-Region und nach Indien, von der sie eine umfangreiche Sammlung an tibetischen Manuskripten mitbrachten.
Da die Gebrüder diese zu Lebzeiten nicht vollständig auswerten konnten, bearbeitete Emil Schlagintweit den Nachlass seiner Brüder. Dafür lernte er auch Tibetisch. Der größte Teil der Manuskripte befindet sich heute in der Bodleian Library in Oxford. Die Informationen über den tibetischen Buddhismus, die er aus dem Nachlass seiner Brüder gewann, veröffentlichte er 1863 in den Buch „Buddhism in Tibet“. Dieses Werk zählt zu den ersten Gesamtdarstellungen des tibetischen Buddhismus, die auf eine große Zahl von Originalquellen zurückgriff. Weiterhin widmete er sich der Edition und Übersetzung verschiedener tibetischer Manuskripte wie zum Beispiel eine Chronik zu den tibetischen Königen bis 1834 und eine Chronologie zur Geschichte des Buddhismus.
Emil Schlagintweit, der selbst Indien nie bereist hatte, starb am 20. Oktober 1904.
Schriften von Emil Schlagintweit
Buddhism in Tibet: illustrated by literary documents and objects
Leipzig, 1863
Buddhism in Tibet: atlas of objects of Buddhist worship
Leipzig, 1863
Im zweiteiligen Werk „Buddhism in Tibet“ beschreibt Emil Schlagintweit den tibetischen Buddhismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dabei konnte er auf die Vorarbeiten seiner Brüder Hermann und Robert aufbauen, die sich zwischen 1854 und 1858 im Rahmen einer wissenschaftlichen Expedition in Tibet und der Himalaja-Region aufhielten. Während im ersten Teil auch auf die Entstehungsgeschichte, die Grundlagen sowie die Strömungen innerhalb des Buddhismus eingegangen wird, beinhaltet der zweite ausschließlich Illustrationen, die sowohl Götter des tibetischen Buddhismus als auch dekorative Elemente aus buddhistischen Tempelanlagen zeigen.
Indien in Wort und Bild: Eine Schilderung des indischen Kaiserreichs (Band 1)
Leipzig, 1880
Indien in Wort und Bild: Eine Schilderung des indischen Kaiserreichs (Band 2)
Leipzig, 1881
Das zweibändige Werk „Indien in Wort und Bild“ ist eine Einführung in Landschaft, Bevölkerung und Religionen des britisch-indischen Kolonialreiches. Emil Schlagintweit verarbeitete in diesem Werk die Ergebnisse der Expedition seiner Brüder sowie amtliche Veröffentlichungen der britisch-indischen Kolonialverwaltung. Die Vorlagen für die enthaltenen Abbildungen gehen auf Zeichnungen und Skizzen seiner Brüder zurück.
Weiterführende Literatur
- STACHE-ROSEN, Valetina: German Indologists: Biographies of Scholars in Indian Studies Writing in German, New Delhi 1981. [Details]