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Otto von Böhtlingk

Otto von Böthlingk Otto von Böhtlingk, einer der bedeutendsten Indologen des 19. Jahrhunderts, wurde am 11. Juni 1815 in Sankt Petersburg geboren, wohin seine Familie zu Beginn des 18. Jahrhunderts ausgewandert war. Dort studierte er an der Universität von St. Petersburg seit 1833 orientalische Sprachen, neben Persisch und Arabisch vor allem Sanskrit. Zwischen 1835 und 1839 setzte er seine Sprachstudien in Berlin und von 1839 bis 1842 in Bonn fort.

Nach seiner Rückkehr nach St. Petersburg erhielt er eine Anstellung als Adjunkt an der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften und wurde 1845 zum ordentlichen Mitglied der Akademie. Die Anstellung an der Akademie sicherte ihm zeitlebens sein finanzielles Auskommen und ermöglichte ihm, sich voll und ganz auf seine Forschung zu konzentrieren. 1860 wurde er zum Wirklichen Staatsrat und 1875 zum Geheimrat ernannt. Bereits 1868 war er nach Jena übergesiedelt und zog 1885 nach Leipzig um, wo er am 1. April 1904 verstarb.

Der Name Böhtlingks ist auf das Engste mit einem der wichtigsten Gemeinschaftsprojekte der europäischen Indienforschung im 19. Jahrhundert verbunden. 1852 wurde von ihm die Kompilation des noch heute maßgeblichen Petersburger Wörterbuchs angestoßen und geleitet, das zwischen 1855 und 1875 publiziert wurde. Böhtlingk bezog Gelehrte aus ganz Europa und darüber hinaus ein, vor allem Rudolf von Roth (1821-1895) aus Tübingen und Albrecht Weber (1825-1901) aus Berlin.

Zu den weiteren Schwerpunkten seiner Arbeit zählt die Übersetzung der Sanskrit-Grammatik von Panini, einem Sanskrit-Gelehrten, der wahrscheinlich im vierten oder fünften Jahrhundert v. Chr. an der Universität von Taxila lehrte. Seine Grammatik wie auch Böhtlingks Übersetzung zählen noch heute zu den Standardwerken.

Schriften von Otto von Böhtlingk

Sanskrit-Chrestomathie
St. Petersburg, 1845

Die Sanskrit-Chrestomathie erschien zuerst 1845 und enthält eine Sammlung bedeutender Sanskrit-Texte. Böhtlingks Absicht war es dabei, anhand von ausgewählten Texten einen Überblick über die Entwicklung der Sanskrit-Literatur zu geben. Die einzelnen Werke werden in der Chrestomathie manchmal gekürzt wiedergegeben und sind mit Anmerkungen Böhtlingks versehen.

Indische Sprüche, Sanskrit und Deutsch
St. Petersburg 1863-1865

Die Übersetzung indischer Sprüche entstand im Rahmen der Arbeit zum Petersburger Wörterbuch. Die für dieses Großprojekt berücksichtigten Sanskrit-Werke wurden gezielt nach Sprüchen und Redewendungen durchgesehen, die dann separat in drei Bänden veröffentlicht wurden. Der Nachtrag entstand dadurch, dass manche dieser Redewendungen schwierig zu übersetzen waren und somit einer längeren Bearbeitungszeit bedurften. Auch zuvor übersehene Sprüche und die Berücksichtigung weiterer Sanskrit-Literatur machten den Nachtrag nötig.

Abhijñānaśakuntalam: Kâlidâsa's Ring-Çakuntala
Bonn, 1842

„Abhijñānaśakuntalam: Kâlidâsa's Ring-Çakuntala“ ist eine Übersetzung des Sanskrit-Dramas Shakuntala von Kalidasa, einem indischen Dramatiker und Lyriker, den die Forschung um 400 v. Chr. datiert und der als ein Hauptvertreter des klassischen Sanskrit-Dramas gilt. Obwohl bereits 1791 eine deutsche Übersetzung dieses Dramas angefertigt worden war, machte die Entdeckung älterer Textfassungen des Werkes eine neue Übersetzung nötig, die nun 1842 von Böhtlingk veröffentlicht wurde.

Weiterführende Literatur

  • BRÜCKNER, Heidrun/ Zeller, Gabriele (Hrsg.): Otto Boehtlingk an Rudolf Roth: Briefe zum Petersburger Wörterbuch 1852-1885. Bearbeitet von Agnes Weiske. Wiesbaden 2008. [Details]
  • SENGUPTA, Indra: From Salon to Discipline: State, University and Indology in Germany 1821-1914, Würzburg 2005. [Details]
  • STACHE-ROSEN, Valentina: German Indologists: Biographies of Scholars in Indian Studies with Writings in German, New Delhi 1981. [Details]