Richard von Garbe
Richard Karl Garbe, seit 1909 von Garbe, wurde am 9. März 1857 in Bredow (bei Stettin) geboren. Er gehörte zu den führenden Indologen in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wobei Teile seiner Forschungsergebnisse in Fachkreisen nicht unumstritten waren. Die Schwerpunkte seiner indologischen Arbeit lagen auf der indischen Philosophie und in späteren Jahren auf den wechselseitigen Einflüssen westlicher und indischer Religionen.
Nach dem erfolgreichen Besuch des Gymnasiums in Stettin schrieb sich Garbe 1873 an der Universität Tübingen ein, um dort Mathematik zu studieren. Vorlesungen von Rudolf von Roth weckten jedoch sein Interesse an der Indologie, sodass er bereits 1876 mit den beiden Arbeiten „Das Accentuationssystem des altindischen Nominalkompositums und Atharvaveda Anukramanika“ promoviert wurde.
Nach einem einjährigen Aufenthalt in London, wo er sich in verschiedenen Bibliotheken und Archiven mit Shrautasutra-Manuskripten beschäftigte, wurde er 1878 an der Universität von Königsberg habilitiert und war dort seit 1880 als Privatdozent für Vergleichende Sprachwissenschaft tätig. 1894 wurde er Ordentlicher Professor in Königsberg, ging aber bereits ein Jahr später nach Tübingen, um die Nachfolge von Rudolf von Roth anzutreten. Richard von Garbe starb am 22. September 1927 in Tübingen.
Schriften von Richard von Garbe
Indien und das Christentum: eine Untersuchung der religionsgeschichtlichen Zusammenhänge
Tübingen, 1914
In dieser Veröffentlichung befasste sich Richard von Garbe mit den wechselseitigen Einflüssen von Buddhismus und Christentum. Sie erschien 1914, wobei sich der Autor bereits zuvor in mehreren Artikeln mit diesem Thema beschäftigt hatte. Maßgebliche Teile des Buches basieren demzufolge auf diesen früheren Publikationen, die jedoch vom Autor für die Buchveröffentlichung überarbeitet wurden.
Indische Reiseskizzen
Berlin, 1889
Sein Buch „Indische Reiseskizzen“, welches 1889 in der Erstauflage veröffentlicht wurde, entstand nach einem anderthalbjährigen Aufenthalt in Indien zwischen 1885 und 1887. Obwohl das Buch aus dem Blickwinkel eines wissenschaftlich geschulten Indologen geschrieben wurde, finden sich auch einige Textpassagen wieder, die sich mit den Unannehmlichkeiten für westliche Reisende beschäftigen. Zudem wendet sich Garbe darin gegen ein romantisches Indien-Bild, das unter seinen Zeitgenossen noch weit verbreitet war.
Sāṃkhya und Yoga
Straßburg, 1896
Bereits in Indien beschäftigte sich Garbe mit der Sāṃkhya-Philosophie. Nach seiner Rückkehr intensivierte er diese Studien und übersetzte verschiedene Texte und Kommentare der Sāṃkhya-Philosophie. 1894 und 1896 veröffentlichte er in den Büchern „Die Samkhyaphilosophie“ und „Sāṃkhya und Yoga“ die Ergebnisse dieser Forschungen. Darin vertrat er die Meinung, dass die Sāṃkhya-Philosophie bis zu ihrer schriftlichen Fixierung durch mündliche Überlieferung kaum verändert wurde. Weiterhin sah er Einflüsse der Sāṃkhya-Philosophie auf den Buddhismus.
Weiterführende Literatur
- MALINAR, Angelika: „‘Ksatriya-Glaube’ und ‘Opferwesen’: Richard Garbe und die indischen Religionen“ in: Brückner, Heidrun u.a. (Hrsg.): Indienforschung im Zeitenwandel: Analysen und Dokumente zur Indologie und Religionswissenschaft in Tübingen, Tübingen 2003, 121-143. [Details]
- STACHE-ROSEN, Valentina: German Indologists: Biographies of Scholars in Indian Studies with Writings in German, New Delhi 1981. [Details]